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Sushi Pizza oder ich bin sprachlos

Januar 22, 2011

Ich bin etwas sprachlos.

Also kurz nachdem ich meinen Eintrag verfasst hatte, klingelte es auch schon an der Tür. Ich lief schnell hin, setzte einen breiten Grinser auf (es musste doch bestimmt Amelie sein, die ist immer überpünktlich) und dann stand da plötzlich mein Hausgeist.
Mein Grinser verflog auch schon.

„Clemens, so hatten wir das aber nicht vereinbart. Was machst du hier? Und hast du nicht einen Schlüssel? Warum klingelst du überhaupt?“

„Tut mir leid. Ich habs nicht mehr ausgehalten. Jessica ist total verrückt geworden. Sie bildet sich ein, dass du es auf mich abgesehen hast und versucht mich die ganze Zeit zu überreden mit ihr zusammen zu ziehen.“

Wir gingen hinein, er schloss die Tür ab.

„Und warum ziehst du nicht einfach zu ihr? Es würd mir nichts ausmachen, wirklich. Wir kennen uns jetzt schon 100 Jahre und ich kanns kaum erwarten dich endlich los zu werden!“

Ich grinste wieder. Clemens sah mich irgendwie seltsam an.

„Wir haben Schluss gemacht.“

„WAS?“, ich schrie ihn beinahe an. Ich mochte Jessica nicht sonderlich, sie war ein wenig aufgeblasen, kam sich immer so viel besser vor als alle anderen, aber die Tatsache, dass Clemens eine Freundin hatte machte ihn weniger anhänglich.

„Wieso?? Das versteh ich nicht. Ihr… du … ! Clemens, warum?“

„Sie hat mir gesagt, ich solle mich entscheiden… sie befiel es mir regelrecht! Und wenn ich nicht mit ihr zusammenziehe, dann sieht sie das als ein Zeichen, dass sie Recht hat. Ich hab ihr gesagt, dass ich noch ein wenig Zeit brauche, um meine Gedanken zu organisieren und mal ne Nacht drüber zu schlafen. Daraufhin fing sie an zu weinen und machte mir nur noch Vorwürfe… Ich sei egoistisch und habe Angst mich zu binden und bin ein Mann und … wirklich die absurdesten Dinge warf sie mir an den Kopf.“

„Tut mir leid, Clemens. Ich wusste immer, dass mit Jess was nicht stimmt, dass sie ne geistige Emotionstussi ist, hätt ich nicht gedacht.“

Er setzte sich aufs Sofa.

„Aber weißt du … so gern ich mit dir über deine Beziehungsprobleme reden würde … Amelie, Matthias und Daniel sind gleich da.“

Er blickte zum gedeckten Tisch hinüber und nickte.

„Warst du beim Burger-Laden?“

„Wie kommst du drauf?“

„Also Nat, ich bin vielleicht egoistisch, habe Angst mich zu binden und bin ein Mann … aber dass das eindeutig Freddie’s Burger sind riecht man doch schon von ner Sicherheitsdistanz von einigen Metern.“

„Glaubst du das fällt ihnen auf?“

Er fing an zu lachen.

„Das fällt sogar unserer 90 Jährigen Nachbarin auf, die nicht mehr riechen kann. Ich hab sie vorhin gesehen, die hat mich richtig böse angeguckt, als ob sie wüsste, dass du für dieses Fast-Food Aroma verantwortlich bist.“

„Mist. Was mach ich jetzt? Ich hab mir so viel Mühe gegeben-“

Er lachte nur noch lauter.

„Clemens! Ich meins ernst! Was mach ich jetzt? Glaubst ist es schlimm, wenn ich ihnen das servier?“

„Also, es wird dich wohl nicht für das perfekte Dinner qualifizieren, aber… schlimmer gehts wohl nicht, Nat! Was besseres ist dir nicht eingefallen, im Ernst? Sogar ne Auftau-Lasagne hätts getan!“

Ich setzte mich auf einen Stuhl vom Esstisch und schaute in die Ferne.

„Nat! Ich hab eine Idee! Wir essen die Burger und machen Sushi.“

… Ja genau, da hab ich auch aufgehört Clemens ernst zu nehmen. Eine Beziehung erst frisch hinter sich und er will Sushi machen. Nicht mit mir! Amelie, Matthias und Daniel bekommen die Burger serviert, dachte ich mir. Der redet nur mehr Blödsinn. Jess hatte wohl gar nicht so unrecht.

Dann klingelte es an der Tür und ich bekam die Panik.

„Okay, Clemens du nimmst die Burger und steckst sie in den Kühlschrank. Ich sag denen, dass wir Pizza bestellen.“

Er befolgte meine Anweisung, ich konnte hören wie er zu sich flüsterte: „Sushipizza“ und ich lief schnell zur Tür.

Da standen Amelie, Matthias und Daniel, alle hatten Einkaufstüten in der Hand. Ich begrüste sie, leitete sie ins Wohnzimmer und sprach sie dann endlich auf die Einkaufstüten an.

Matthias: „Wir waren noch schnell einkaufen und haben uns gedacht, dass wir doch alle gemeinsam kochen könnten.“

Ich: „Aber, woher wollt ihr denn wissen, ob ich nicht schon alles schön vorbereitet hatte und so?“ Vor meinem inneren Auge: Die Burger.

Sie sahen auf den Esstisch, dessen Lacken verrutscht waren und wo nur noch das Besteck in alle Richtungen zeigte. Ein kleines Salatblatt war nur eine dumpfe Erinnerung an das schön hergerichtete Fast Food essen.

Amelie: „Wir lieben dich, aber wann hast du uns jemals eingeladen und wirklich gekocht? Das letzte Mal hast du uns etwas serviert, da hab ich richtig Angst bekommen.“

Matthias nickte zustimmend. „Es hat mich sogar gebissen!“

Daniel: „Ja, oder kannst du dich nicht mehr an den DVD-Abend erinnern? Wo du mit deinem Popkorn fast die Küche in Brand gesteckt hast?“ Er grinste.

Ich: „Aber Leute! Wieso habt ihr mich dann nicht angerufen?“

Amelie: „Haben wir doch versucht, aber wir sind immer nur in deiner Sprachbox gelandet. Bist du uns böse?“

Ich lächelte. Mann, was hab ich für tolle Freunde. Sagen mir nicht, dass mein Essen ein Horror ist und akzeptieren trotzdem ne Einladung, selbst wenn ihr Leben gefährdet ist und sie jedes Mal Angst haben. Jetzt war wohl so ne Art Wahrheitsstunde.

Da kam Clemens von der Küche zurück. Er sah so aus, als ob er einen Burger verdrückt hatte. Er gluckste uns glücklich an.

„Na Leute. Lust auf Sushi?“

Ich: „Ich wollte uns eine Pizza bestellen.“

Matthias: „Das wird wohl nicht mehr nötig sein. Kommt wir gehn jetzt in die Küche.“

Und so kochten mir meine Freunde ein super leckeres Curry mit Reis und Salat und als Nachspeise gab es einen Apfelstrudel.
Das war die Geschichte, wie meine Freunde um eine Haaresbreite dem Freddie-Burger entkommen waren.

Hier hätte die Story zu Ende sein sollen, aber …

Als alle gingen, waren nur noch Clemens und ich übrig. Der Abend war echt schön verlaufen. Clemens schien aber ein wenig angeheitert (hatte mehr als 4 Gläser Wein intus) und als wir dann am Sofa saßen, sah er mich an, nahm meine Hand und sagte:

„Nathalie, ich liebe dich.“

Und jetzt bin ich sprachlos. Für immer glaube ich.

Ich melde mich wieder. Denk ich.

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