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Sich vergessen

Februar 2, 2011

„Schau, du musst dich einfach wieder glücklich fühlen. Wenn du unglücklich bist, denkst du einfach an schöne Dinge, wie … deinen ersten Kuss oder den wunderschönen Griechenland-Urlaub, ans Meer, an den Strand…“
Claire wusste anscheinend wirklich NICHT worüber sie sprach.
Dachte sie etwa, nur weil sie Psychologie-Studentin war, dass sie alles wüsste und Depressionen vertreiben könnte, als wären es Eintagsfliegen?
Clemens schenkte ihr wenig bis gar keine Aufmerksamkeit und mir kam es so vor, als ob ihm nichteinmal aufgefallen war, dass eine fremde Frau in unserer Wohnung war und mit ihm sprach.
Er nickte zwar hin und wieder, aber sein Blick war immer derselbe, dieser endlos-lang-auf-ein-und-denselben-Punkt-starrende Blick.
Die Psychologiestudentin Claire dachte sie hätte ein Wunder vollbracht, als Clemens anfing über den Urlaub mit Jessica in Italien zu erzählen. Er konnte gerade einmal seine Tränen zurückhalten, seine Körpersprache verriet ihn.
War diese Claire blind? Musste sie ihn immer wieder an Jessica erinnern?
Ich nahm sie dann mal zur Seite und schilderte ihr nochmals, dass er eine schwere Phase durchmachte, eben genau wegen dieser Jessica und wenn sie ihn immer wieder daran erinnerte, würde es die ganze Sache nur schlimmer machen.

„Ach Nathalie, lass mich doch mal machen. Ich bin Expertin“, sie zwinkerte mir zu und ich blieb mit offenem Mund stehen und beobachtete wie sie nur noch mehr Salz in eine tiefe Wunde streute.

Ami sah immer wieder zu mir herüber und deutete mir mit Handbewegungen und ihrem Gesichtsausdruck wie Leid es ihr tat.

Als Claire endlich gegangen war, setzte ich mich zu Clemens und sprach mit ihm.
Und dann sah ich, was ich noch nie bei ihm gesehen hatte: Er weinte.

Ich nahm ihn in meine Arme und versuchte ihn zu trösten, einfach nur für ihn da zu sein. Er tat mir so leid und ich war einfach nur machtlos.
Warum machte es ihn so fertig, dass er nicht mehr mit Jessica zusammen war? War vielleicht etwas anderes geschehen, wovon ich nichts wusste?

Mir kam es seltsamerweise so vor, als ich ihn hielt, als ob ich die Welt so sehen könnte, wie er sie sah. Ein trauriger Unterton hatte alles um uns herum in einem Schwarz-weiß gekleidet, alle Farben waren durch seine Tränen hinweggeschwemmt worden und nur das Grün seiner Augen blieb noch übrig und wurde immer blasser und blasser. Es schien als ob die Welt vergessen hatte, wie schön sie war.

Okay, also dieses Video hat ja überhaupt nichts mit diesem Eintrag zu tun und New York ist auch so gar nicht die Stadt, in der sich das hier alles abspielt, aber die Musik scheint traurig und alles ist in Schwarz-Weiß gehalten. Darum.

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